Annes Leben und was geschah

Anne wurde am 7.1.1989 in Altenburg/Thüringen geboren.
Nach dem Kindergarten kam Anne 1995 in die Grundschule,
1999-2001 besuchte sie die Realschule in Altenburg.
Aus beruflichen Gründen sind wir 2001 nach Karlstadt (Rohrbach) gezogen.
Dort besuchte Anne 2001-2002 die Realschule und wechselte 2002-2004 in die Hauptschule. Hier machte sie dann ihren Quali.
Nach vielen Bewerbungen bekam sie endlich eine Lehrstelle als ZMFA (Zahnmedizinische Fachangestellte) in einer Zahnarztpraxis in Lohr. Wo sie kurz vor ihrer Abschlussprüfung stand.
Am 7.Januar 2007 wurde Anne 18 Jahre alt. Aus diesem Anlaß bekam Anne ein kleines Auto geschenkt, einen Renault Twingo, und ein paar Tage später hatte sie endlich den lang ersehnten Führerschein.
Anne war überglücklich.
Für unsere Tochter war das Leben zu diesem Zeitpunkt einfach nur schön. Sie hatte einen Freund, ein Auto, eine Lehrstelle und bald einen festen und sicheren Arbeitsplatz, alles das, was sich junge Mädels in diesem Alter wünschen.

Bis zu dem schrecklichsten Tag in unserem Leben der alles veränderte.
Es war erst ein ganz normaler Dienstag der 15. Mai 2007.
Ich, Annes Papa hatte an diesem Tag Urlaub genommen um in der Wohnung zu streichen.
Anne verabschiedete sich so gegen 7:00 Uhr, wie immer mit einem Lächeln, mit dem Satz "Tschüß Papa bis heute Abend" und fuhr Richtung Lohr zur Arbeit.

Auf dem Wiesenfelder Berg in einer Rechtskurve kam es dann zur Katastrophe. Auf Annes Auto fuhr ein 3er BMW frontal auf. Sie hatte nicht den Hauch einer Chance. Der Unfallverursacher fuhr mit einer weit überhöhten Geschwindigkeit und bei regennasser Fahrbahn in die Kurve und wechselte dabei an einer unübersichtlichen Stelle die Fahrbahnseite. Bei erlaubten 60 km/h fuhr er laut Gutachten über 100 km/h, Anne 55. Der Unfallverursacher D.P. erlitt schwere Verletzungen ,konnte aber nach einigen Wochen aus dem KH entlassen werden. Unsere Anne hingegen wurde in ihrem Auto eingeklemmt und so schwer verletzt,dass sie sich nicht mehr befreien konnte. Wir glauben jeder der Kinder hat, kann und will sich gar nicht vorstellen was da passiert ist. Doch es passiert jeden Tag auf unseren Straßen, jeden Tag sterben Menschen unschuldig, nur weil einige Fahrer glauben ihr Fahrzeug bei hoher Geschwindigkeit unter Kontrolle zu haben. Leider ist gerade unsere Anne so einem unverbesserlichen 19jährigen begegnet. Warum musste Anne sterben? Warum? Als das Unglück geschah, saß ich gerade am Tisch und trank meinen Kaffee und hörte Radio. Der Verkehrsfunk meldete einen schweren Verkehrunfall am Wiesenfelder Berg in Richtung Lohr. Mit einem unguten Gefühl im Magen versuchte ich Anne übers Handy zu erreichen, denn genau diese Strecke fuhr sie fast jeden Tag. Als ich keine Antwort bekam, fuhr ich los um mich zu vergewissern das alles in Ordnung war.
Als ich an der Polizeisperre ankam, fragte ich welche Autos denn in den Unfall verwickelt wären und nannte den Namen meiner Tochter.
Sofort nahm mich der Polizist zur Seite und er teilte mir diese schreckliche Nachricht mit.
Sie übergaben mir die persönlichen Sachen meiner Tochter mit den Worten, "... es sieht alles schlimmer aus als es ist".

Nachdem Anne von den Ersthelfern befreit worden war, wurde sie mit dem Rettungshubschrauber in die Uni-Klinik Würzburg geflogen und dort not-operiert. Die Verletzungen: schweres Schädel-Hirn-Trauma, diverse Schädelbrüche, beide Beine gebrochen, Lungenriss, die Blutzufuhr zum Gehirn war unterbrochen um nur einige zu nennen, führten jedoch dazu, dass nach Operationen und vielen Untersuchungen der Hirntot festgestellt wurde.

Auch wenn es für viele Menschen erschütternd klingt,so solls auch sein.Jeder soll daran denken wenn er heute ins Auto steigt was passieren kann, wenn man sich nicht an die Verkehrsregeln hält.

Es wurde alles menschenmögliche getan um das Leben unsere Anne zu retten.
Einen Tag später am 16.Mai mussten wir die Geräte abschalten lassen.Die beiden Tage auf der Intensivstation und die schrecklichsten Bilder die sich Eltern nur vorstellen können, werden wir nie mehr vergessen können.Wenn es eine Hölle gibt, wir haben sie gesehen.

Wir haben uns in dieser Zeit viele unpassende Sprüche anhören müssen, z.B. alles im Leben hat seinen Sinn. Wo bitteschön ist hier der Sinn, wenn ein 18 jähriges Mädchen einfach so aus dem Leben gerissen wird. Die Menschen die so etwas denken oder sagen, haben bestimmt noch nicht über den Sinn des Lebens nachgedacht,warum auch wenns einem doch gut geht!

Wir wissen bis heute nicht und werden es auch nie erfahren, ob Anne noch irgendetwas gespürt hat oder ob sie Totesangst hatte und wenn es bloß für eine Sekunde war. Diese Fragen werden uns das ganze Leben lang begleiten. Die Schmerzen und die Trauer über den Verlust unserer Tochter kann uns niemand nehmen und leider auch nicht lindern.Alles würden wir dafür geben unser Kind noch einmal in den Arm nehmen zu können um ihr zu sagen,dass wir sie immer lieben werden.

Wir glauben,dass der Unfallverursacher überhaupt nicht einschätzen kann,was er uns angetan hat.Er hat ein junges Leben einfach ausgelöscht,einfach so....durch Leichtsinn und unüberlegtes Handeln.Wie kann man mit solch einer Schuld leben?