Ein Jahr danach

Auf einmal
ist das vertraute Heim so fremd.
Felsenschwer lastet die Stille in alle Räumen.
Verwaist die Dinge, die du so
oft in deiner Hand gehalten hast.
Deine Jacke hängt noch da,
als seiest du nur für einen
Augenblick hinausgegangen.
Es ist so dunkel ohne dich.
ANNE wir lieben und vermissen Dich so sehr.

Deine Mama und Dein Papa

Ein Jahr ist nun vergangen, irgendwie verstrichen. Die Sehnsucht nach unserer Anne ist unendlich groß. Alles würden wir dafür geben diese schrecklichen Erlebnisse ungeschehen zu machen, sogar unser eigenes Leben. Anne wäre jetzt 19 Jahre alt in jenem Alter wo sich die Weichen des Lebens stellen. Ihr Leben war zu ende bevor es richtig angefangen hatte. Manchmal stellen wir uns vor wie alles sein würde, wenn Anne noch da wäre. Was würde sie sagen? Was würde sie tun? Und wie würde sie aussehen? Und manchmal wenn wir die Augen schließen sehen wir sie vor uns stehen, mit ihren langen blonden Haaren, ihren großen Kulleraugen und ihrem hübschen Lächeln. Doch wenn wir die Augen wieder aufmachen, ist es so als ob jemand einem die Kehle zuschnürt. Diese Ohnmacht über die Endgültigkeit des Todes bringt uns oft zu Verzweiflung.

Der Verlust und die Trauer um unsere Tochter hat unsere Herzen und unser Leben kaputt gemacht. Die Last die auf unseren Schultern liegt ist unglaublich schwer. Alles was wir tun, sagen und denken ist von einem dunkeln Schatten überzogen, einen Schatten den andere nicht sehen können, der aber dennoch immer da ist. Manchen Leuten ist das nicht bewusst, sie denken weil es jetzt schon 1 Jahr her ist, ist auch die Trauer vorbei. Sie wissen nicht was sie mit unüberlegten Worten anrichten können. Die Trauer hat unser Fühlen und Denken verändert. Alles was vorher selbstverständlich und normal war hat an Wert verloren. Nichts aber auch gar nichts ist mehr wie es war.

Im Augenblick lebe ich nur für meine Trauer. Alles andere ist unwichtig geworden. Für das Schöne und Angenehme in dieser Welt habe ich keine Augen. Manche halten mich deshalb für undankbar. Sie meinen, dass ich doch schon viel Gutes im Leben erfahren habe. Aber ich brauche meine ganze Zeit und Kraft für die Trauer.

Tage schwarz gerändert,
die mich gefangen halten
im Trauerkäfig.
Nie mehr deine
Stimme hören.
Nie mehr
deinen Blick begegnen.
Nie mehr
spüren die Wärme deiner Hand.
Sie tun so,
als ob es Trost gäbe.

Tiefe

Was man tief in seinem Herzen besitzt,
kann man nicht durch den Tod verlieren.

Johann Wolfgang von Goethe

 

           Auch wenn sie                                     

gut gemeint               

sein mögen,

Ratschläge sind es nicht,die wir jetzt brauchen.Wir selber spüren am besten,was richtig ist für uns,allein sein oder unter anderen Menschen schweigen oder reden.Wir haben ein Recht auf einen ganz eigenen Weg durch die Trauer.